Bemerkenswert: Für Homeoffice plädieren in diesem Zusammenhang nicht einmal ein Fünftel (18%) der Praxisprofis. Weit über die Hälfte (54%) sprechen sich ausdrücklich gegen die weitere Verbreitung der Bildschirmarbeit zuhause aus. „Unternehmenskultur, Erfahrungsaustausch und Inspiration bleiben in der Regel auf der Strecke, wenn man nicht regelmäßig in der realen Welt zusammenkommt“, sagt der HR-Experte Paul Stricker. Auch hierbei geht es um die richtige Kombination: 47% der Interim Manager sind fest davon überzeugt, dass die Unternehmen „digitaler“ werden müssen – „aber zur Unterstützung menschlicher Fähigkeiten, nicht als Ersatz“, stellt Christian Jung klar. So raten 81% der Befragten dazu, die internen Potenziale besser zu nutzen – mittels KI, aber auch durch betriebliche Weiterbildung. 73% halten es für besonders wichtig, Mitarbeitende im Unternehmen zu halten.

44% der Befragten empfehlen den Unternehmen, verstärkt im Ausland nach Fachkräften zu suchen. „Bei allen kulturellen Unterschieden bieten die asiatischen Länder eine enorme Ressource an qualifizierten Fachkräften, die europäische Unternehmen viel stärker als bislang nutzen sollten“, empfiehlt Friedhelm Best.

Ein weiteres Terrain macht Jan Beutnagel aus: Menschen über 60. Er hat beobachtet: „Vor allem im Mittelstand finden ältere Arbeitnehmer verstärkt Akzeptanz, weil sich schlichtweg nicht genügend jüngere Fachkräfte finden.“ 61% seiner befragten Kollegen stimmen ihm vorbehaltlos zu. In der Konzernwelt ist dieser Trend deutlich geringer ausgeprägt, meinen 37% der Interim Manager. Jan Beutnagel: „Der Fachkräftemangel verschiebt die Altersgrenzen: Neben Technologie wird Erfahrung insbesondere im Mittelstand zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.“

Führungsstile – was im Management „in“ ist

Wie führt man Menschen in einer Zeit der radikalen Umbrüche, von der rasanten Ausbreitung Künstlicher Intelligenz über leergefegte Arbeitsmärkte und hochdynamische Lieferketten bis hin zur Vision der „Dark Factories“, also menschenleerer Fabriken, in denen nur noch Roboter am Werk sind? Am wichtigsten ist eine „empathische Führung“, sind sich 65% der Interim Manager sicher. Der konkrete Führungsstil hängt nach Einschätzung der Management-Profis vom Unternehmen und der konkreten Situation ab. „In einer von hochdynamischen Entwicklungen geprägten Realität wird Führung zum Balanceakt aus Technologie und Menschlichkeit“, sagt Dr. Andreas Vieweg. Er ist fest überzeugt: „Ohne Vertrauen und Verständnis scheitert selbst die modernste Organisation.“

57% der befragten Interim Manager empfehlen eine transformative Führung, die auf Motivation und Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter abzielt und diese frühzeitig darauf vorbereitet. 51% raten zu einem situativen Führungsstil, der sich flexibel an Mitarbeiter, Situation und Aufgabe anpasst. Agile Leadership, also ein Führungsansatz, der auf Flexibilität, schnelle Anpassung und iterative Entscheidungsprozesse setzt, steht für 39% der Befragten an erster Stelle. 29% setzen auf Servant Leadership, stellen also die Bedürfnisse der Mitarbeiter in den Mittelpunkt und verstehen Führung als dienende Rolle. „Moderne Führung ist hybrid. Durch die Kombination unterschiedlicher Ansätze entsteht ein flexibles Führungsmodell, das Stabilität und Wandel gleichzeitig ermöglicht“, sagt Dr. Sven Mues.

97% der befragten Führungskräfte auf Zeit stehen der Inanspruchnahme von Interim Managern unabhängig vom Führungsstil positiv gegenüber. Gut drei Viertel (76%) halten Fractional Management für besonders empfehlenswert. Fractional Management bezeichnet den Einsatz erfahrener Führungskräfte in Teilzeit oder auf Mandatsbasis, die ihre Expertise mehreren Unternehmen parallel zur Verfügung stellen, wodurch Firmen Topmanager für sich nutzen können, ohne eine Vollzeitstelle finanzieren zu müssen. 64% der Befragten zeigen sich Instant Management gegenüber aufgeschlossen. Dies bezeichnet den kurzfristigen Einsatz erfahrener Führungskräfte, um akute Unternehmensprobleme ohne lange Einarbeitungszeit zu lösen.

KI als Manager, Co-Pilot oder Advisor

Bemerkenswert: Ein Großteil der Befragten ist beim Einsatz in den Unternehmen immer wieder von den vielen „Möchte-gern-Managern“ in den Betrieben überrascht. Dieser Typus „Viel Powerpoint, wenig Output“ macht teilweise mindestens die Hälfte der Führungsriege aus, meinen 42%. Über ein Drittel (35%) sind der Ansicht, dass rund 30% der fest angestellten Führungskräfte diesem Typus entsprechen. „Im einen oder anderen Fall wäre KI vermutlich besser als der Mensch“, spricht Ulvi Aydin aus, was sonst häufig nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wird.

Tatsächlich halten 92% der Befragten AI-added Management für ein zukunftsträchtiges Konzept. AI-added Management bezeichnet die Ergänzung von Führungsentscheidungen durch Künstliche Intelligenz, die Daten analysiert, Prognosen liefert und Prozesse optimiert, sodass das Management schneller, fundierter und effizienter handeln kann. „KI als Co-Pilot wird künftig zur Selbstverständlichkeit werden“, blickt Eckhart Hilgenstock in die Zukunft. „Aufsichtsräte und Beiräte sind heute schon gut beraten, die Entscheidungen von Vorständen und Geschäftsführern einem KI-Check zu unterziehen“, meint Klaus-Peter Stöppler, der regelmäßig in Kontrollgremien über Vorstands- und Geschäftsführungsentscheidungen zu befinden hat. „KI ist nicht dazu da, Mitarbeiter abzubauen oder Führung zu ersetzen. Ihren Mehrwert entfaltet sie, wenn sie Managemententscheidungen mit besseren Daten, belastbareren Prognosen und einer früheren Erkennung von Risiken und Chancen unterstützt“, ergänzt Ulf Camehn.

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