Nachhaltigkeit bleibt in deutschen Unternehmen überwiegend Chefsache: In 73 Prozent ist die Verantwortung weiterhin bei Vorstand/Geschäftsführung verankert. Gleichzeitig verliert das Thema deutlich an interner Priorität – 59 Prozent der befragten Unternehmen berichten davon (Vorjahr: 14 Prozent). Als Gründe nennt die Studie u. a. die abnehmende öffentliche Debatte sowie unsichere politische und regulatorische Rahmenbedingungen, die inzwischen stärker als Hemmnis wahrgenommen werden.
Auch die Treiber der Transformation verlieren an Kraft: Die Bedeutung von Mitarbeitenden und Geschäftsführung sinkt, besonders stark aber die Rolle der Politik (minus 31 Prozentpunkte). Zudem bremsen fehlende wirtschaftliche Anreize – rund 70 Prozent sehen darin ein Hindernis. Einen klaren „Business Case“ erkennen nur 17 Prozent, viele sehen zwar finanziellen Mehrwert, aber bislang geringer als die Kosten.
Trotzdem bleiben Klimathemen präsent: 86 Prozent erfassen inzwischen Treibhausgasemissionen, und der Anteil der Unternehmen mit eigenen Klimazielen steigt (Realwirtschaft 53→59 Prozent, Banken 46→65 Prozent). Häufig fehlen jedoch noch konkrete Transitionspläne: 41 Prozent der Unternehmen mit Klimazielen sind damit noch in der Planung.
Beim Reporting führt das EU-Omnibus-Verfahren teils zu Verzögerungen, dennoch fühlen sich viele künftige Berichtspflichtige gut vorbereitet. Auch 75 Prozent der künftig ausgenommenen Unternehmen wollen weiter berichten. In Finanzierungsgesprächen nimmt die Relevanz von Nachhaltigkeit ab, bleibt aber erwartbar wichtig – vor allem aus Sicht der Banken. Die Studie betont: Nachhaltigkeitsdaten müssen stärker in Steuerung, Risikoanalysen und Finanzierungskonditionen einfließen; zudem gewinnen Kooperationen entlang der Wertschöpfungsketten und zwischen Real- und Finanzwirtschaft an Bedeutung.
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Nachhaltigkeit in der Unternehmensfinanzierung
Nachhaltigkeit bleibt auch in der Finanzierungspraxis präsent, allerdings nimmt die empfundene Relevanz ab. 30% der Unternehmen und 37% der Banken bewerten Nachhaltigkeit als wichtig in Finanzierungsgesprächen. In beiden Gruppen zeigt die Studie eine Rückläufige Bedeutung -8 bzw. -9 Prozentpunkte). Zwar erwarten sowohl Banken als auch Unternehmen, dass Nachhaltigkeit zukünftig in der Unternehmensfinanzierung eine Rolle spielen wird. Die Zustimmung in der Realwirtschaft fällt mit 45% aber geringer aus als bei Banken (79%), sie ist auf beiden Seiten rückläufig.
„Nachhaltigkeitsdaten sind heute vielfach vorhanden – ihre Wirkung in Kreditentscheidungen bleibt jedoch begrenzt. Solange sie nicht systematisch in Risikoanalysen und Konditionen einfließen, entstehen keine spürbaren Transformationsanreize. Sustainable Finance muss sich deshalb stärker vom Reporting- zum Steuerungsinstrument entwickeln“, sagt Incken Wentorp, Nachhaltigkeitsexpertin der Peer School for Sustainable Development. In der neuen Phase der Nachhaltigkeitstransformation bekommen funktionierende Kooperationen entlang von Wertschöpfungsketten sowie zwischen Real- und Finanzwirtschaft eine zentrale Bedeutung. „Transformation ist zunehmend eine Koordinationsaufgabe zwischen Unternehmen, Banken, Investoren und Politik. Viele Lösungen entstehen erst im Zusammenspiel dieser Akteure“, sagt Laura Marie Edinger-Schons, Chief Sustainability Officer und Professorin für Nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Hamburg.
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