TrendAI-Report: Sinkendes Cyberrisiko, wachsende Ransomware-Gefahr

Privacy safety concept
Bild: Sergey Nivens/stock.adobe.com

Deutschland zählte dabei 2025 mit 433 bestätigten Ransomware-Angriffen (laut beobachteten Leak-Seiten von Cyberkriminellen) zu den drei weltweit am stärksten betroffenen Ländern – nur die USA (4.893) und Kanada (520) verzeichnen noch mehr erfolgreiche Angriffe. Erstmals hat TrendAI für den Bericht auch Daten aus der neuen ‚Attack Path Prediction‘-Funktion der eigenen Cybersicherheitsplattform Vision One analysiert. Diese zeigen, über welche konkreten Wege Angreifer vorgehen.

Das sind die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts im Überblick:

  • Cyberrisiko sinkt, bleibt aber im mittleren Risikobereich: Der Cyber Risk Index (CRI) fiel im Jahresdurchschnitt 2025 auf 35,8 Punkte, nach 38,5 im Vorjahr.* TrendAI beobachtete jedoch einen deutlich volatileren Verlauf als 2024: von 34,6 Punkten im Januar über einen Ausreißer von 37,4 Punkten im April. Der japanische Sicherheitsanbieter vermutet, dass dies durch neue IT-Projekte zum Start eines neuen Geschäftsjahrs bedingt ist. Der Tiefststand lag mit 34,1 Punkten im Juli. Unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße bewegen sich die untersuchten Unternehmen im mittleren Risikobereich.
  • Risikoniveau im Branchenvergleich: Der Bergbau führte 2025 mit einem CRI von 42,5 erstmals die Rangliste der Branchen mit dem höchsten Risiko an, gefolgt vom Gesundheitswesen und der Landwirtschaft (je 40,3), der Telekommunikation (39,9) und dem Bildungswesen (39,8) sowie Behörden und öffentlichen Einrichtungen (39,7).
  • Kleine Unternehmen zunehmend als Einfallstor im Visier: Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitenden sind dem Report zufolge zwar weiterhin die Gruppe mit dem niedrigsten Risiko, zugleich aber das einzige Größensegment, dessen CRI 2025 gestiegen ist. Dies deutet laut TrendAI darauf hin, dass Angreifer kleine Unternehmen zunehmend als Einfallstor in größere Lieferketten nutzen.
  • Cloud-Zugriffe und veraltete Konten bleiben Hauptrisikofaktoren: Wie im Vorjahr führen riskante Zugriffe auf Cloud-Applikationen und veraltete Microsoft Entra ID-Konten die Liste der am häufigsten erkannten Risikoereignisse an. Konten mit deaktivierter Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zählt der Report weiterhin zu den größten Schwachstellen. Neu in den Top fünf sind Verstöße gegen Zero-Trust-Zugriffsregeln (ZTSA). Für TrendAI ein Zeichen für die wachsende, aber noch nicht überall konsequent durchgesetzte Zero-Trust-Adoption.
  • Schwachstellenmanagement braucht mehr als CVSS-Werte: Unter den zehn am häufigsten erkannten, ungepatchten Schwachstellen (CVEs) befinden sich drei mit lediglich mittlerem Schweregrad, die jedoch im Zusammenspiel mit hochkritischen Sicherheitslücken für Remote-Codeausführung und Rechteausweitung besonders gefährliche Angriffsketten ermöglichen. TrendAI betont, dass virtuelles Patching über die Intrusion-Prevention-Systeme des Unternehmens Anwendern im Schnitt 115 Tage Schutz verschaffte, bevor ein offizieller Patch verfügbar war.
  • Attack Path Prediction zeigt reale Angriffswege auf: Die Attack Path Prediction-Funktion der TrendAI-Plattform zeigte, dass ungepatchte Schwachstellen mit Abstand am häufigsten den Ausgangspunkt vollständiger Angriffspfade bilden (über 2,3 Millionen erkannte Pfade), gefolgt von Password-Spraying- und Password-Guessing-Angriffen auf schwach abgesicherte Konten (zusammen über 2 Millionen Pfade). Am Ende der Angriffskette steht in den meisten Fällen ein Benutzerkonto als Ziel – mit durchschnittlich rund 33.000 anvisierten Konten pro Tag nahezu doppelt so häufig wie Endgeräte auf Platz zwei.
2026 cyber risk report fig02
Bild: Trend Micro Deutschland GmbH

Fragmentierte Ransomware-Landschaft

Ferner geht aus dem Bericht hervor, dass sich die Ransomware-Landschaft weiter fragmentiert und aktiver wird: TrendAI gibt die Zahl bestätigter Opfer der zehn aktivsten Ransomware-Gruppen (laut beobachteten Leak-Seiten von Cyberkriminellen) mit 5.096 Unternehmen an, was einem Anstieg von 236% entspricht. Die Gruppe Qilin kletterte von Platz zehn im Jahr 2024 auf Platz eins mit 1.262 bestätigten erfolgreichen Angriffen – ein Plus von 1.270%. Akira folgte mit 857 Fällen (+708%). Fünf Gruppen führt TrendAI neu in den Top Ten, darunter INC Ransom, SafePay, Lynx, DragonForce und Sinobi, während zuvor dominante Gruppen wie LockBit deutlich an Bedeutung verloren haben. Diese Fragmentierung wirkt sich auf Unternehmen aus: Der Cybersecurity-Spezialist weist darauf hin, dass Verteidigungsstrategien, die sich lediglich auf bekannte Taktiken, Techniken und Vorgehensweisen etablierter Gruppen stützen, in einer sich so rasant wandelnden Landschaft stets hinterherhinken. Die wirksamste Verteidigung bestehe nicht in Informationen über bestimmte Gruppen, sondern in der Reduzierung der zugrunde liegenden Schwachstellen – unabhängig davon, wer sie ausnutzt.

2026 cyber risk report fig11
Bild: Trend Micro Deutschland GmbH

Empfehlungen für Unternehmen

Um ihr Cyberrisiko zu senken, rät der japanische Sicherheitsanbieter Unternehmen zu einem risikobasierten Sicherheitsansatz:

  • Sicherheitskonfigurationen aktiv optimieren statt nur implementieren: Einstellungen wie Web-Reputation, Geräte- und Anwendungskontrolle oder Anti-Malware-Scans müssen kontinuierlich überprüft und nachgeschärft werden, da bereits einzelne Fehlkonfigurationen vorhandene Schutzmechanismen erheblich schwächen können.
  • Identitäts- und Zugriffsmanagement konsequent durchsetzen: TrendAI rät weiter dazu, veraltete Konten zu inventarisieren und zu löschen, riskante Konten zu deaktivieren, sichere Passwörter zu erzwingen und Multi-Faktor-Authentifizierung flächendeckend zu aktivieren – insbesondere, da Password-Spraying- und Password-Guessing-Angriffe laut den neuen Attack-Path-Daten zu den häufigsten Einstiegspunkten für vollständige Angriffsketten zählen.
  • Schwachstellen risikobasiert statt ausschließlich nach CVSS-Score priorisieren: Auch Schwachstellen mit mittlerem Schweregrad müssen berücksichtigt werden, wenn sie im Zusammenspiel mit anderen Sicherheitslücken hochkritische Angriffsketten ermöglichen. Virtuelles Patching kann die Lücke bis zum offiziellen Hersteller-Patch schließen. TrendAI betont jedoch, dass dies eine reguläre Patch-Strategie nicht ersetzt.
  • Angriffspfade statt Einzelrisiken betrachten: Methoden wie Attack Path Prediction helfen dabei, Risiken danach zu priorisieren, wie wahrscheinlich sie tatsächlich zu einem erfolgreichen Angriff führen, und nicht nur danach, wie häufig sie auftreten.
  • Vorhandene Sicherheitsplattformen konsequent nutzen: Die Fähigkeiten zur Risikoreduzierung sind in vielen Unternehmen bereits vorhanden; TrendAI zufolge ist es entscheidend, diese durch automatisierte Playbooks, KI-gestützte Priorisierung und kontinuierliches Monitoring auch tatsächlich im Alltag zu operationalisieren.

*Hinweis von TrendAI: Vision One Cyber Risk Exposure Management (CREM) verwendet einen Risikoereigniskatalog, um eine Risikobewertung für jeden Anlagentyp und eine Indexbewertung für Unternehmen zu formulieren. Dazu werden die Gefährdungs- und Sicherheitskonfiguration einer Anlage mit der Kritikalität der Anlage multipliziert. Das Ergebnis ist eine ganze Zahl zwischen null und 100, die in eine von drei Stufen fällt: Geringes Risiko (0-30), mittleres Risiko (31-69) und hohes Risiko (70-100).