Fraunhofer ISI untersucht den Einfluss menschenzentrierter Wertschöpfung

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Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI beschreibt, welchen Einfluss menschenzentrierte Wertschöpfung für Innovation und Produktivität von Unternehmen haben kann. In den Mittelpunkt der Untersuchung, die auf der Erhebung zur Modernisierung der Produktion basiert, stellen die Studienverantwortlichen das Zusammenspiel zweier Dimensionen: die Kompetenzentwicklung von Produktionsbeschäftigten und eine Arbeitsorganisation, die Beschäftigte aktiv in Wertschöpfungs-, Verbesserungs- und Innovationsprozesse einbindet. Demnach schneiden Unternehmen, die beide Dimensionen ausgewogen entwickeln, bei Produktinnovation und Arbeitsproduktivität deutlich besser ab als Betriebe, die einzelne Maßnahmen umsetzen oder ganz auf menschenzentrierte Ansätze verzichten.

Der Mensch als zentraler Gestalter technologischer Produktionssysteme

„Entgegen der verbreiteten Vorstellung, menschliche Arbeit werde in der Produktion zunehmend ersetzt, zeigen unsere Ergebnisse eine weiterhin zentrale Rolle des Menschen“, sagt Dr. Djerdj Horvat, Projektleiter im Geschäftsfeld Industrieller Wandel und neue Geschäftsmodelle. Dies gelte gerade in Betrieben mit hoher Variantenvielfalt, kleinen Losgrößen, häufigen Produktwechseln oder begrenzten Margen, so die Fraunhofer-Forschenden, da hier Vollautomatisierung an wirtschaftliche und technische Grenzen stoße. Als entscheidend sehen sie nicht allein an, welche Technologien eingesetzt werden, sondern wie Beschäftigte befähigt werden, diese sinnvoll zu nutzen, weiterzuentwickeln und in betriebliche Verbesserungsprozesse einzubringen.

Laut Analyse entfalten Weiterbildung und partizipative Organisationskonzepte ihre Wirkung vor allem im Zusammenspiel. Die Forschenden betonen, dass qualifizierte Beschäftigte Strukturen benötigen, in denen sie ihr Wissen anwenden und einbringen können. Umgekehrt entfalten Beteiligungsformate ihr Potenzial erst dann vollständig, wenn Beschäftigte über die erforderlichen Kompetenzen verfügen.

Wie weit ist menschzentrierte Wertschöpfung verbreitet?

Die Auswertung zeigt, dass menschzentrierte Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe noch nicht breit verankert ist. Rund 30% der Betriebe setzen in mindestens einer der beiden untersuchten Dimensionen keine entsprechenden Praktiken ein. Weitere 30% verfolgen eine unausgewogene Menschzentrierung, indem sie beispielsweise stärker auf Weiterbildung als auf organisatorische Beteiligungsstrukturen setzen. 17% der Betriebe weisen eine hohe ausgewogene Menschzentrierung auf – sie kombinieren ein breites Weiterbildungsangebot mit mehreren menschzentrierten Organisationskonzepten.

Wie weiter betont wird, gehen gerade integrierte Ansätze mit den besten Leistungswerten einher. Demnach erzielen Betriebe mit hoher ausgewogener Menschzentrierung sowohl bei der Produktinnovatorenquote als auch bei der Arbeitsproduktivität die höchsten Werte. Auch Unternehmen mit mittlerer ausgewogener Menschzentrierung liegen bei der Arbeitsproduktivität über dem Durchschnitt. Dagegen bleiben Betriebe mit isolierten oder unausgewogenen Maßnahmen hinter ihrem Potenzial zurück.

KMU mit Nachholbedarf

Unterschiede zeigen sich der Untersuchung zufolge insbesondere nach Betriebsgröße. So nutzen größere Unternehmen Weiterbildungsangebote und menschzentrierte Organisationskonzepte deutlich häufiger als kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Während rund zwei Drittel der größeren Betriebe zu den Intensivnutzern von Weiterbildungsangeboten zählen, setzen KMU meist nur einzelne Angebote ein. Bei den Organisationskonzepten ist der Abstand geringer, aber ebenfalls sichtbar: Rund ein Viertel der KMU nutzt keines der betrachteten menschzentrierten Organisationskonzepte.

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