Wie XR Menschen mit Sehbehinderung im Beruf unterstützt

2026 070 Assistenzsystem gegen Fachkraeftemangel
Bild: Amadeus Bramsiepe, KIT

Für viele sehbehinderte Fachkräfte sind alltägliche Aufgaben ein Hindernis: Ein Geräteetikett lesen, eine handschriftliche Notiz entziffern oder sich in fremden Räumen orientieren kostet Zeit oder erfordert Hilfe. KIT und Fraunhofer IOSB betonen, dass klassische Hilfsmittel außerhalb des Bildschirmarbeitsplatzes oft an ihre Grenzen stoßen. Genau hier setzt das Projekt AssistiveXR4Work an: „Wir entwickeln ein System, das visuelle Informationen automatisch erkennt, vergrößert, kontrastreicher darstellt oder vorliest – und sich so an die individuellen Sehbedürfnisse anpasst“, sagt Prof. Rainer Stiefelhagen vom Zentrum für digitale Barrierefreiheit und Assistive Technologien (Access@KIT) des KIT. „In einem Meeting kann es etwa Inhalte eines Whiteboards automatisch erkennen und vergrößern oder handschriftliche Notizen in Klartext übertragen und direkt weiterverarbeiten.“ In technischen Arbeitsumgebungen wiederum kann das System bei der Orientierung helfen und relevante Komponenten hervorheben.

Das System nutzt XR-Brillen mit hochauflösendem Kamerabild. Diese erfassen die Umgebung kontinuierlich und passen die Darstellung an die individuellen Sehbedürfnisse digital an: Kontraste werden verstärkt, Inhalte vergrößert, Texte erkannt und auf Wunsch vorgelesen. Zusätzlich unterstützt eine integrierte KI bei der Orientierung oder erkennt Objekte im Umfeld. Bei Bedarf kann zudem über einen Livestream ein Mensch zugeschaltet werden, der Unterstützung bietet.

Mitarbeitende im Beruf halten

Die Forschenden wollen mit dem Projekt nicht nur die Teilhabe am Arbeitsleben verbessern, sondern auch den Fachkräftemangel adressieren. Sie erklären, dass viele qualifizierte Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren oder das Tätigkeitsfeld wechseln müssen, wenn ihre Sehkraft nachlässt. AssistiveXR4Work soll dazu beitragen, dass sie ihren Beruf weiterhin ausüben können. Laut des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, einer Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, sind Schwerbehinderungen in Deutschland weit verbreitet und treten zum Großteil im Laufe des Erwerbslebens auf. Die Wahrscheinlichkeit, fünf Jahre später noch erwerbstätig zu sein, ist bei diesen Menschen um etwa 16 Prozentpunkte geringer.

Ein funktionsfähiger Demonstrator soll in den kommenden vier Jahren entstehen und anschließend in der Praxis erprobt werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert das Projekt mit rund 1,5Mio.€.