
Laut einer Erhebung des Ifo-Instituts erwarten viele Unternehmen in Deutschland durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in den nächsten fünf Jahren eher sinkende Löhne. Demnach haben vor allem Arbeitskräfte mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung mit niedrigeren Löhnen zu rechnen – das gab in der Studie etwa jedes zweite Unternehmen an, das KI bereits nutzt. Bei Arbeitskräften mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung rechnen rund 40% mit Lohnkürzungen.
In der Ifo-Studie erwartet jedoch gleichzeitig ein Drittel bis die Hälfte der befragten Unternehmen, abhängig von der Qualifikation der Beschäftigten, stabile Löhne. „Künstliche Intelligenz wird aus Sicht vieler Unternehmen die Löhne nicht für alle Beschäftigten gleichermaßen beeinflussen“, sagt Ifo-Forscherin Anna Ruffert. „Am ehesten rechnen sie bei weniger erfahrenen Arbeitskräften mit sinkenden Löhnen.“
Am häufigsten rechnen Dienstleister mit sinkenden Löhnen für ihre Arbeitskräfte. Bei Beschäftigten mit kurzer Berufserfahrung sagen dies 53,3%, bei Beschäftigten mit längerer Berufserfahrung 44,2%. Unter den Händlern sind es 47,9 bzw. 41,3%, gefolgt vom Verarbeitenden Gewerbe mit 46,5 und 38,9%. Die Bauunternehmen geben seltener an, dass die Löhne wegen KI sinken: 39% bei kürzerer Berufserfahrung und 31,3% bei längerer. Die Wirtschaftsforscher erklären, dass sich diese Angaben auf Beschäftigte ohne (Fach-)Hochschulabschluss beziehen.
Für Beschäftigte mit einem (Fach-)Hochschulabschluss verändern sich die Erwartungen für einen sinkenden Lohn laut Ifo-Untersuchung kaum. Der Studie zufolge gibt es für sie sogar öfter die Chance auf einen steigenden Lohn, insbesondere zusammen mit einer längeren Berufserfahrung. So erwarten 26% der Unternehmen bei dieser Gruppe einen positiven Effekt des KI-Einsatzes auf die Löhne, bei kurzer Berufserfahrung sehen immer noch 16,3% eine Verbesserung des Gehalts. Zum Vergleich: Bei Niedrigqualifizierten mit kurzer Berufserfahrung liegt der Anteil bei nur 5,9%. „Für Arbeitskräfte mit formalen Abschlüssen – besonders in Kombination mit längerer Berufserfahrung – halten Unternehmen häufiger positive Lohneffekte durch KI für möglich“, so Ruffert.
Insbesondere die KI-nutzenden Unternehmen im Bau erwarten hier steigende Löhne für Höherqualifizierte. Der Anteil liegt mit kurzer Berufserfahrung bei 24,0 und bei 29,8%, wenn die Arbeitskraft mehr als fünf Jahre Berufserfahrung hat. Unter den Dienstleistern sind es 14,9 und 27,3%, im Handel 15,9 und 24,9% und im Verarbeitenden Gewerbe 15,6 und 24,2%.
Hinweis: Die Auswertung basiert auf Daten der Ifo-Konjunkturumfrage im Juni von mehr als 3.000 Unternehmen in Deutschland, die KI bereits nutzen.















