Die digitale Abhängigkeit Europas wächst

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Das Vodafone Institut und das Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der Universität Bonn nehmen in ihrer Analyse die gesamte digitale Wertschöpfung in den Blick – von Computern und Telekommunikationsdiensten über Betriebssysteme, bis hin zu sozialen Medien sowie Patenten für digitale Kommunikation. Anhand dieser Punkte wird ermittelt, in welchen Bereichen Länder auf ausländische Technologien angewiesen sind und wo sie über eigene Fähigkeiten verfügen. Der Index reicht von 0 für vollständige Unabhängigkeit bis 1 für vollständige Abhängigkeit. Für Deutschland melden die Autoren einen einen Wert von 0.73 (Platz 25). Die USA führen das Ranking mit einem Wert von 0.38 an, China liegt mit 0.43 auf Platz 4. In den 14 untersuchten Jahren nahm Europas digitale Abhängigkeit um 0,5 Prozentpunkte zu. China verringerte seine Abhängigkeit im selben Zeitraum dagegen um fast elf Prozent, die USA um sechs.

Laut Untersuchung zeigt sich die Abhängigkeit Europas besonders bei digitalen Plattformen. So seien alle untersuchten europäischen Länder bei Plattformdiensten nahezu vollständig von ausländischen Anbietern. Bei IKT-Gütern und -Dienstleistungen (Informations- und Kommunikationstechnologie) ist Europa besser aufgestellt. Dazu zählen etwa Computer, Kommunikationsgeräte und elektronische Bauteile sowie Telekommunikationsdienste, Software und IT-Services.

Auch Deutschland mit großem Abstand

Deutschland weist unter den untersuchten europäischen Ländern die geringste Abhängigkeit bei IKT-Patenten auf. Im internationalen Vergleich bleibt der Rückstand dennoch groß: Zwischen 2010 und 2023 betrug der durchschnittliche Abstand zu den USA 26%, zu China 20% und zu Südkorea 12%.

Die Autoren betonen, dass der Wert für IKT-Patente zwar nicht unmittelbar die Ursachen dafür misst. Eine ergänzende Analyse zeige aber, dass Fortschritte von klaren Prioritäten, konsequenter Umsetzung und hohen Investitionen abhängen. In der Pressemitteilung wird etwa darauf verwiesen, dass China früh umfangreiche Innovationsinitiativen gestartet hat. Die USA haben eine neue Industriepolitik auf den Weg gebracht. Hinzu kommen in beiden Ländern umfangreiche Investitionen privater Unternehmen.

„Obwohl die europäischen Regierungen verschiedene Strategien und Maßnahmen zur Förderung der digitalen Souveränität umgesetzt haben, waren ihre Bemühungen nicht ehrgeizig genug. Eines der Hauptprobleme ist eindeutig das Fehlen strategischer Prioritäten zur Stärkung der digitalen Fähigkeiten und zur Bewältigung digitaler Abhängigkeiten“, sagt Dr. Maximilian Mayer, Professor für Internationale Beziehungen und globale Technologiepolitik an der Universität Bonn.

Die Handlungsansätze der Autoren

Die Studie schlägt vier teilweise miteinander kombinierbare Handlungswege vor, um Abhängigkeiten zu reduzieren: Europa soll unverzichtbare Positionen in globalen Lieferketten aufbauen, gezielt in eigene Plattformen, Infrastruktur, Patente und Technologieunternehmen investieren, kritische technologische Engpässe reduzieren und seine Abhängigkeit von wenigen ausländischen Lieferanten durch eigene Kapazitäten und neue Partnerschaften verringern. Dafür müsse Europa gemeinsame Prioritäten festlegen, mehr investieren und Regulierung, Innovation, Beschaffung und Industriepolitik länderübergreifend koordinieren.

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