Innovative Ideen für etablierte Unternehmen

Programmers engrossed in deep collaboration, diligently working together to solve complex problems and develop innovative mobile applications with seamless functionality
Programmers engrossed in deep collaboration, diligently working together to solve complex problems and develop innovative mobile applications with seamless functionalityBild: 27pilots – Germany

Startups spielen im Transformationsprozess des produzierenden Gewerbes eine entscheidende Rolle. Denn die jungen Unternehmen gelten als Treiber von Innovationen. Sie bringen oftmals geistiges Eigentum in der Form von Hochleistungstechnologie, ein erfahrenes Team, skalierbare Produkte und Wagniskapital in Höhe von Millionen mit. Diese Innovationskraft sowie das externe Entwicklungsbudget können sich etablierte Unternehmen zu Nutze machen. Neben der Erweiterung existierender Produkte oder der Entwicklung neuer, verbessern Startups Prozesse im Unternehmen. Damit sind sie für das produzierende Gewerbe ein Mittel zur Umsatzsteigerung sowie zur Kostensenkung, dem in Zeiten hoher Energiepreise eine besondere Bedeutung zukommt. Dieser Paradigmenwechsel spiegelt sich in verschiedenen Schlüsselbereichen wider, wie der Robotik oder der prädiktiven Wartung.

In der heutigen Fertigungsbranche sind digitale Lösungen unverzichtbar und zahlreiche Startups können hier unterstützen. So sind einige junge Unternehmen führend bei der Entwicklung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz, beispielsweise um Fehler in der Produktion von Bauteilen zu erkennen, oder bei Cloud-Anwendungen, die die Durchführung unternehmensweiter Analysen in Echtzeit ermöglichen. Startups sind außerdem in der Entwicklung von Software für das Ersatzteilmanagement aktiv, die dann zur Optimierung von Logistikketten eingesetzt werden kann. Ein Trend ist auch die Schaffung von Datentransparenz, um die Produktion weiter zu verbessern. Zudem erfordert die zunehmende Individualisierung von Produkten mehr Flexibilität in der Produktion, was eine Herausforderung für viele Unternehmen darstellt. Auch hier kommen Startups mit Ansätzen wie etwa zu KI-gestützten Wenn-Ist-Szenarien oder Knowledge-Graph-Technologien ins Spiel. Nachhaltigkeit gewinnt in der Produktion ebenfalls an Bedeutung, nicht zuletzt aufgrund neuer gesetzlicher Vorschriften. Hier können Startups ebenfalls Lösungen liefern, beispielsweise um Transparenz in der Lieferkette zu schaffen und nachhaltige Produktionsweisen zu fördern.

Foto Sebastian Schafer
Bild: 27pilots Deloitte GmbH

Wie lassen sich Startups integrieren?

Etablierte Unternehmen im produzierenden Gewerbe verfügen oft über Jahrzehnte gewachsene Strukturen und Arbeitsweisen. Bei der Zusammenarbeit mit Startups stehen sie oft vor Herausforderungen. So stellt sich etwa die Frage, wie sich Startups im Betrieb erfolgreich integrieren lassen. In der Vergangenheit haben Unternehmen oft eigene Startups aufgebaut, in junge Unternehmen mit investiert oder sich Acceleratoren angeschlossen. Diese sogenannten Corporate-Venturing-Modelle boten oft wenig Mehrwert bei konkreten Fragestellungen, weil das Investment in Startups keine direkte und erfolgreiche Implementierung der Lösung bedeutet.

Der Einsatz von hohen Summen im Tausch für Unternehmensanteile, also Corporate Venture Capital (CVC), steht exemplarisch dafür. Mit Investments in Millionenhöhe wird hier ein Minderheitsanteil an einem Startup erworben. Die Technologie, also die eigentliche Innovation, wird dabei nicht genutzt. Hier ist vor allem eine finanzielle Incentivierung mit einem Return on Investment (ROI) das Ziel.

Eine Alternative ist 2015 mit der BMW Startup Garage entstanden: das Venture Client Modell. Mit Venture Clienting können Unternehmen skalierbar und mit geringem Kapitaleinsatz von den besten Startups profitieren. Doch was genau bedeutet das? Jedes Unternehmen ist ein Venture Client, sobald es Lösungen von Startups einkauft. Gibt es einen klaren Prozess, eine Strategie und Evaluierungskriterien, so ist die Rede vom Venture Client Model. Im Zentrum stehen die Probleme eines Unternehmens, die durch Startups gelöst werden sollen. Wird ein passendes Startup gefunden, erprobt es der Fachbereich – ähnlich wie bei einem Prototyp vor der Serienproduktion. Das Risiko ist dabei auf ein Pilotprojekt mit der Startup-Lösung beschränkt. Überzeugt die Lösung nicht, erfolgt auch keine weitere Beauftragung oder Partnerschaft.

Das Konzept des Venture Clienting ermöglicht zum einen durch die enge Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups eine rasche Entwicklung und Implementierung innovativer Lösungen. Dies führt zu Effizienzsteigerungen und Kostenreduktionen in den bestehenden Geschäftsprozessen. Zum anderen werden Technologien direkt beim jeweiligen Anwender getestet. So können Lösungen an die spezifischen Bedürfnisse und Abläufe des Unternehmens angepasst werden. Diese individuellen Lösungen sind oft ein Schlüssel zu Kosteneinsparungen, da ineffiziente Arbeitsabläufe optimiert und der Bedarf an manuellen Prozessen reduziert wird. Der Return on Investment (ROI) in Venture-Client-Projekten ist durch die unmittelbare Anwendung der Technologie direkt gegeben.

Die Venture Client Unit

Um effektiv und skalierbar mit Startups zusammenzuarbeiten, ist eine spezialisierte Einheit im Unternehmen erforderlich. Sogenannte Venture Client Units, die über entsprechende Teams, Strategien und Ressourcen sowie Technologien verfügen, um die dringendsten Herausforderungen von Unternehmen durch den Einsatz von Startups zu lösen. Diese Units haben den notwendigen Fokus, um möglichst effektiv nur die Projekte anzugehen, die den größten Mehrwert für das Unternehmen schaffen und Umsatzpotenziale oder Kosteneinsparungen erzielen. Einige Beispiele für solche Venture Client Units sind sowohl bei BMW mit der BMW Startup Garage, bei Bosch mit Open Bosch, bei Siemens Mobility mit der Station X als auch in mittelständischen Unternehmen zu finden.

Die Symbiose zwischen etablierten Unternehmen und Startups, oft in enger Zusammenarbeit von Forschung und Entwicklung und den spezialisierten Venture Client Units, ermöglicht einen Austausch von Ideen und eine effiziente Umsetzung innovativer Lösungen.

Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit steigern

In der Fertigungsbranche bleibt Innovation ein entscheidender Faktor für nachhaltigen Erfolg. Unternehmen, die nicht in der Lage sind, das Startup Ökosystem zu nutzen, neue Ideen zu generieren und umzusetzen, setzen sich einem hohen Risiko aus, abgehängt zu werden.

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