Fraunhofer IGCV untersucht Hürden digitaler Fabrikplanung

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Bild: ©everythingpossible/stock.adobe.com

Warum das so ist und wie es um den aktuellen Stand der digitalen Fabrikplanung steht, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Gießerei-, Composite-, und Verarbeitungstechnik IGCV mit Partnern aus der Industrie untersucht. Im Rahmen einer nun veröffentlichten Studie befragten sie innerhalb von zwei Jahren mehr als 70 Teilnehmende aus verschiedenen Branchen.

Zwischen wissenschaftlicher Theorie und industrieller Praxis

„Unsere Online-Befragung und qualitativen Tiefeninterviews zeigen, dass zahlreiche Unternehmen bei der digitalen Transformation hinter den Möglichkeiten zurückbleiben, die wissenschaftliche Forschung bietet. Es fehlt oft an einem klaren Verständnis der aktuellen Technologien und an der Bereitschaft zur Veränderung“, erklärt Fabian Bermpohl. Der Wissenschaftler hat die Studie federführend am Fraunhofer IGCV betreut und ist Experte für kollaborative Fabrikplanung. Viele Unternehmen wissen den Ergebnissen zur Folge nicht, wie sie die Potentiale ganzheitlicher digitaler Fabrikmodelle in Ihre bestehenden Prozesse integrieren können. Darüber hinaus nennen die Unternehmen häufig organisatorische Barrieren, wie Silodenken zwischen Abteilungen, welche die Zusammenarbeit erschweren. Ein weiteres Problem ist laut Bermpohl die unzureichende Datenintegration. Viele Unternehmen kämpfen mit der Fragmentierung ihrer Daten, was die Nutzung von Simulation und anderen modernen Technologien wie Digitalen Zwillingen oder dem Industrial Metaverse behindert. Dies führt dazu, dass die positiven Effekte digitaler Planungsansätze in der Praxis oft nicht ausgeschöpft werden.

Fabrikplanung ist kein einmaliges Projekt

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass die digitale Fabrikplanung nicht mehr als einmaliges Projekt verstanden werden kann, sondern als kontinuierlicher Prozess, der ständige Anpassungen erfordert. Laut den Studienautoren ist diese Erkenntnis besonders relevant für produzierende KMU, die flexibler auf Marktveränderungen reagieren müssen.

Bestandsdigitalisierung statt Metaverse

„Von einem aktuell stark diskutierten Metaverse, also einer digitalen, virtuellen Welt, die durch die Interaktion von Nutzern in Echtzeit geprägt ist, sind wir in Deutschland weit entfernt. Um die digitale Transformation erfolgreich umzusetzen, benötigen KMUs erst einmal eine umfassende Bestandsdigitalisierung“, Bermpohl. Das sei notwendig, um bestehenden Prozesse und Strukturen sichtbar zu machen. Zweitens sollten Bermpohl zur Folge KMUs Zugang zu geeigneten Tools und Methoden erhalten: „Die digitale Transformation erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Planung und Betrieb. Informationen müssen stets aktuell und abrufbar sein.“ Laut Studienergebnis werden Planungsmodelle bislang nicht in den Betrieb überführt und dort beispielsweise zum Aufbau eines Digitalen Zwillings genutzt. Gleichzeitig werden bei jeder Umplanung neue Planungsmodelle erstellt und keine Informationen aus vergangenen Planungsphasen oder dem Digitalen Zwilling genutzt. „Forschung sollte nicht der Forschung willen passieren. Es geht darum sie real werden zu lassen. Das sehe ich als zentrale Aufgabe unseres Forschungsinstituts an. Unsere Studie zeigt auf, wo wir ansetzen müssen“, schlussfolgert der Wissenschaftler.

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