Digitale Souveränität: Deutsche Unternehmen sehen Handlungsbedarf

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Digital cyberspace with particles and Digital data network connections concept.Bild: ©KanawatTH/stock.adobe.com

„Die Befragung zeigt, dass digitale Souveränität für rund die Hälfte der Unternehmen in der Informationswirtschaft sowie im Verarbeitenden Gewerbe von hoher bis sehr hoher Bedeutung für den Erfolg des eigenen Unternehmens ist. Als Merkmale mit der höchsten Relevanz für digitale Souveränität werden von den Unternehmen in der Informationswirtschaft sowie im Verarbeitenden Gewerbe am häufigsten die Datenhoheit sowie die Interoperabilität und Modularität von IT-Systemen genannt“, erläutert Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ und Ko-Autorin der Studie.

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Bild: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Abhängigkeiten bei zentralen digitalen Technologien

„Jeweils mehr als 80 Prozent der Unternehmen beider Wirtschaftszweige geben an, sich bei mindestens einem der abgefragten Technologiefelder abhängig von nicht-europäischen Anbietern oder Partnern zu fühlen. Insbesondere im Bereich Software und Anwendungen zeigen sich die befragten Unternehmen häufig sehr abhängig von nicht-europäischen Anbietern oder Partnern“, kommentiert Dr. Daniel Erdsiek, Ko-Autor der Studie und Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“, die Ergebnisse. Zudem bestehen bei einer Reihe weiterer digitaler Technologien Abhängigkeiten, beispielsweise bei Hardware und Infrastruktur, IT-Sicherheitstechnologien und Digitalen Plattformen. Aber auch im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) nehmen die Unternehmen, insbesondere in der Informationswirtschaft, Abhängigkeiten wahr. So geben 52 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft an, sich beim Thema generative KI (z.B. ChatGPT) zumindest etwas abhängig von nicht-europäischen Anbietern oder Partnern zu fühlen.

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Bild: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Mangel an europäischen Alternativen und technologische Überlegenheit als Gründe für Abhängigkeiten

Mit einem Anteil von 82 Prozent der Unternehmen wird in der Informationswirtschaft der Mangel an europäischen Alternativen als häufigster Grund für bestehende Abhängigkeiten des eigenen Unternehmens von nicht-europäischen Anbietern oder Partnern genannt. Zudem sehen knapp drei Viertel der Unternehmen in der technologischen Überlegenheit des Anbieters einen der Gründe für ihre Abhängigkeit. Im Verarbeitenden Gewerbe kehrt sich die Rangfolge um: 74 Prozent verweisen auf die technologische Überlegenheit des Anbieters, während 70 Prozent den Mangel an europäischen Alternativen als Grund anführen. Weiterhin spielen in beiden Branchen hohe technologische Wechselhürden, sogenannte Lock-in Effekte, eine zentrale Rolle. 58 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft geben diese als Grund für ihre bestehende Abhängigkeit an, was einer Verdopplung gegenüber dem Wert aus dem Jahr 2021 entspricht.

Sorge um potenzielle zukünftige Abhängigkeiten von China

Bei der Beurteilung der Abhängigkeit von Anbietern und Partnern aus ausgewählten Ländern zeigt sich in der Informationswirtschaft und im Verarbeitenden Gewerbe ein vergleichbares Bild. Gegenwärtig bestehen vornehmlich Abhängigkeiten von Anbietern und Partnern aus den USA. Die Abhängigkeit von Anbietern und Partnern aus China bzw. dem sonstigen außereuropäischen Ausland ist derzeit eher gering. Jedoch blickt ein Großteil der Unternehmen besorgt auf potenzielle zukünftige Abhängigkeiten von China. So geben 46 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft an, große Sorge vor zukünftigen Abhängigkeiten von Anbietern oder Partnern aus China zu haben. Im Verarbeitenden Gewerbe beträgt dieser Anteil 50 Prozent der Unternehmen.

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