Einen Vorteil sehen jedoch auch die Nutzer: 29 Prozent sagen, dass sie mit einem KI-Chatbot über alles sprechen könnten, ohne dass es peinlich wird. Das kann auch in der Psychotherapie ein Vorteil sein, bestätigen die Experten.

Doch grundsätzlich vertrauen sich die Menschen bei heiklen Themen wie Beziehungsproblemen, Verliebtheit, schweren Krankheiten, religiösen Überzeugungen – wenn überhaupt – weiterhin lieber ihren Freunden an als einem Bot. Nur 0,6 Prozent der Nutzer von generativer KI haben den künstlichen Assistenten schon einmal bei privaten Problemen wie Liebeskummer oder Einsamkeit um Rat gefragt. Andererseits kann sich jeweils rund jeder Zehnte die Nutzung für Beziehungstipps, Glaubens- und Gewissensfragen oder einfach als Gesprächspartner vorstellen.

Am häufigsten werden KI-Chatbots derzeit dafür genutzt, Informationen zu suchen, Texte zu übersetzen, erstellen oder überarbeiten zu lassen sowie sich etwas erklären oder zusammenfassen zu lassen. Rund zwei Drittel der Anwender finden es besonders hilfreich, dass durch solche Programme viel Wissen unkompliziert und leicht verständlich zugänglich sei.

KI widerspricht nicht.

52 Prozent der Nutzer befürchten, dass sich die zunehmende Kommunikation mit KI-Programmen auf den persönlichen Umgang der Menschen miteinander auswirken wird. Der möglicherweise zunehmende Verlust der Konfliktfähigkeit und Kommunikationskompetenzen sowie der Fähigkeiten der Interaktion wird von den Experten als kritischer Punkt thematisiert. In der Kommunikation mit einer KI geht es stets einseitig um die Bedürfnisse des Nutzers. Dadurch könnte in realen Beziehungen verlernt werden, Widerspruch auszuhalten und Konflikte auszutragen. Weil das echte Gegenüber – anders als eine KI – auch Bedürfnisse und Wünsche hat.

Ein Vorteil in der „menschenähnlich“ gestalteten Kommunikation mit KI ist jedoch, dass eine einfache und intuitive Handhabung bietet. Dies kann nach Ansicht der Studienautoren Hemmschwellen reduzieren und so den Zugang zu neuen Technologien erleichtern.

„KI bietet uns neue Chancen, löst aber nicht jedes Problem von selbst. Diese Technologie erlaubt uns, bekannte Herausforderungen schneller zu adressieren. Und effizienter. Chatbots mit generativer KI z.B. liefern uns Impulse und Perspektiven per Knopfdruck”, sagt Claudia Nemat, Vorstandsmitglied Technologie und Innovation bei der Telekom. „Im Mittelpunkt unserer technischen Fortschritte müssen immer Menschen stehen. Es geht um praktische Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit.“

Fast-Food-Wissen: Was so eloquent klingt, muss richtig sein.

Mehr als die Hälfte der Nutzer (55 Prozent) hält den Output von KI-Assistenten für vertrauenswürdig. Bei Anwendern, die Chatbots häufig nutzen, liegt die Zahl mit 64 Prozent sogar noch höher.

Antworten werden nur noch dann geprüft, wenn ein Anfangsverdacht besteht. Bequemlichkeit schlägt hier die Skepsis. Doch immerhin die Hälfte der Nutzer (48 Prozent) prüft zumindest gelegentlich, ob die Antworten auch wirklich stimmen. Die befragten Experten warnen davor, dass die sprachlich gute Formulierung der Antworten den Anschein von Korrektheit und Vollständigkeit erzeugen kann.

Medienkompetenz wird immer wichtiger: Sei mutig und nutze Deinen eigenen Verstand.

Der Vermittlung von Medienkompetenz kommt in Zukunft eine noch höhere Bedeutung zu, sagen die Experten. Der Aspekt, KI-Ergebnisse nicht kritiklos hinzunehmen, sollte explizit behandelt werden. Sonst könnten diese Systeme sogar eine Gefahr für die Demokratie werden. Knapp zwei Drittel der Personen, die zumindest schon mal von KI-Chatbots gehört haben, machen sich Sorgen, dass sie durch diese Programme in ihren Ansichten und Meinungen manipuliert werden. Experten sehen gerade durch die Personalisierung von Informationen steigende Manipulationsgefahren. Der Informationszuschnitt wird zunehmend individualisiert. Dies wiederum kann Meinungsblasen verstärken. Dazu trägt ebenfalls bei, dass die großen generativen KI-Systeme im Wesentlichen mit Daten aus dem frei verfügbaren Internet trainiert werden und diskriminierende Ansichten trotz Filter einfließen.

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