Neben undefinierten Anfragen kann eine weitere Unschärfe durch mögliche widersprüchliche Aussagen der AAS-Teilmodelle entstehen. Mögliche Ursachen für solche widersprüchlichen Aussagen können aus unterschiedlichen Modelltiefen, diversen Vereinfachungen, divergierenden Annahmen oder sprachlicher Mehrdeutigkeit herrühren. Wird beispielsweise die Produktsicht eines Assets über eine Konstruktionszeichnung beschrieben und dessen Herstellungsprozess abgeleitet, so weisen diese beiden üblicherweise fertigungsbedingte Abweichungen auf. Mit dieser Ambiguität, dieser Widersprüchlichkeit, können menschliche Akteure umgehen. In softwaredefinierten Systemen muss diesen Widersprüchlichkeiten auf Applikationsebene begegnet werden. Die Systeme müssen, beispielsweise durch Gewichtung der Informationsquellen, ambiguitätstolerant gestaltet sein. Insbesondere für selbst-adaptive Softwaresysteme, wie KI-Anwendungen, verschiebt sich die Komplexität damit von der Modellierung zur Applikationsentwicklung und birgt, bei Nichtbeachtung, unbekannte Risiken.

Fazit

Das Referenzmodell für softwaredefinierte Anwendungen des Forschungsprojekts SDM4FZI basiert auf dem Grundzusammenhang zwischen Produkt, Prozess und Ressource, bildet die internen Zusammenhänge dieser drei nach und erlaubt so die Abbildung verschiedener Teilaspekte eines Assets über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg. Technologisch basiert das Modell auf Verwaltungsschalen, ermöglicht durch standardisierte Teilmodelle eine breite Interoperabilität und durch anwendungsspezifische Teilmodelle weitgehende Flexibilität.

Eine Herausforderung liegt in der Bereitstellung der Modelle über den Produktlebenszyklus hinweg. Hier muss eine Abwägung zwischen Datenhoheit und Modelldivergenz getroffen werden. Ein möglicher Ausweg liegt dabei in der föderierten Datenhaltung. Durch die Koexistenz der Teilmodelle muss für Verwaltungsschalen, unabhängig von deren Bereitstellung, die Annahme der offenen Welt gelten. Gemeinsam mit möglichen Überbestimmungen führt diese Annahme zu Ambiguität des Modells, der auf Applikationsebene begegnet werden muss.

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