
Die Frage, was technisch möglich ist, stand lange im Fokus vieler Forschungsprojekte rund um Industrie 4.0. Doch die digitale Transformation bedeutet mehr: Auch Geschäftsmodelle, Mitarbeiterführung oder Ausbildung unterliegen dem digitalen Wandel. Im Projekt ‚Aware – Arbeit 4.0 / Bedarfsanalyse und Unterstützungsangebote für produzierende Unternehmen‘ haben sich unter der Leitung von it‘s OWL vier Hochschulen, zwei Fraunhofer-Institute, sechs Unternehmen und die IG Metall zusammengeschlossen, um die Potenziale der Digitalisierung für die Arbeitswelt zu erschließen und ganzheitlich zu gestalten.
„Für uns als Technologie-Netzwerk ist es enorm wichtig die technologische Weiterentwicklung auf der einen Seite mit der notwendigen Transformation von Organisation und einzelnem Mensch, der arbeitet auf der anderen Seite, zusammenzuführen“, sagt Projektleiter Klaus Jansen von it‘s OWL. Mit der Digitalisierung der Arbeit rücken soziale Aspekte der Arbeitsgestaltung in den Fokus. So gilt es, die Beschäftigten im Wandel zur Digitalisierung aktiv einzubinden, ihre Arbeitsbedingungen und Quali?kationen anzupassen und mit den Gremien der betrieblichen Mitbestimmung Veränderungen der Arbeitswelt gemeinsam umzusetzen. Dabei sind Unternehmensziele und Bedürfnissen der Beschäftigten in Einklang zu bringen.
Vielfältiges Thema
Die Vielfältigkeit des Themas zeigt sich in der Größe des Projektes. In acht Arbeitspaketen wurden Teilaspekte von Arbeit 4.0 untersucht: Das Spektrum reichte dabei von Führung und agile Organisation über Kompetenzentwicklung und Assistenzsysteme bis zur partizipativen Technologiegestaltung. Genauso wurden die Bereiche Diversity und Arbeitnehmermitgestaltung erforscht.
„Führungskräfte sind der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung von Veränderungen in Unternehmen. Es ist essenziell, sie auf diese Aufgabe vorzubereiten und mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten, um auch zukünftig erfolgreich zu führen“, sagt Prof. Dr. Günter W. Maier von der Universität Bielefeld. Maier hat das Teilprojekt ‚Digitale Führung‘ im Aware-Projekt geleitet, welches sich mit u.a. mit den Fragen beschäftigte, welche Veränderungen von Führungsaufgaben, – kompetenzen und -kultur es durch die Digitalisierung geben wird und welche Instrumente helfen können, Führungskräfte bestmöglich auf die Veränderungen vorzubereiten. In der industriellen Bildverarbeitung stellen PC-basierte Systeme oft eine technische Hürde dar. Die Trennung von Bildaufnahme und Datenverarbeitung führt häufig zu Latenzen, erhöhtem Platzbedarf und einem komplexen Wartungsaufwand. Besonders in schnellen Produktionslinien erschwert die Synchronisation zwischen Sensor und externem Rechner eine stabile Prozesskontrolle. ‣ weiterlesen
Präzise 2D-Inspektion mit nativer Edge-Intelligenz
In einem ersten Pilotprojekt der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Hettich wurde ein allgemeines Kompetenzmodell für digitale Führung entwickelt. Das Fazit: strategische Planung, Kommunikation, Arbeitsgestaltung und Strategieorientierung werden als Führungskompetenzen zunehmend wichtiger als Fachwissen und Biografie. Eine zweite Pilotanwendung der TH OWL und der Firma Lenze hat die Ansprüche an digitale Führung am Anwendungsbeispiel Shop Floor Management untersucht. Dabei wurde beispielsweise eine Schulung zur Digitalisierung von Prozessen durch Beschäftigte mittels Low-Code-Programmierung entwickelt und ausprobiert. Mit dieser Art der Programmierung ist es möglich, Softwareanwendungen ohne erweiterte Programmierkenntnisse über eine grafische Benutzeroberfläche zu erstellen. „Diese Projekt hat gezeigt, dass es für Führungskräfte kein one-fits-all Vorgehen gibt. Daher haben wir vielfältige Maßnahmen entwickelt, die auf die Bedarfe verschiedener Führungsebenen abgestimmt sind. So können Kompetenzen zielgerichtet gefördert und individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden“, resümiert Maier.
Mehr Vielfalt
„Innovationen entstehen nicht mehr nur in FuE-Abteilungen, sie entstehen im gesamten Unternehmen. Mit einer vielfältigen Belegschaft, also mit Mitarbeitenden, die unterschiedliches Wissen und Sichtweisen, Hintergründe und Kompetenzen mitbringen, kann eine Innovationskultur geschaffen werden, die Diversität als integralen Bestandteil sieht. Hiervon kann das Unternehmen auch auf dem Weg zur digitalen Transformation profitieren. Sei es bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodell und digitaler Produkte oder bei der Analyse und Digitalisierung von Prozessen“, erläutert Prof. Dr. Swetlana Franken von der FH Bielefeld ein weiteres Teilprojekt von Aware.
Franken und ihre Forschungsgruppe untersuchten den Aspekt ‚Digitalisierung und Diversity in OWL‘. Ziel war es, die Rolle von Vielfalt für die Gestaltung der Digitalisierung sowie die Erschließungsmöglichkeiten von Potenzialen einzelner Beschäftigungsgruppen herauszustellen. Mithilfe von Literaturrecherche und Interviews wurde untersucht, inwiefern Vielfalt und Digitalisierung bereits zusammengedacht werden. In Workshops, Veranstaltungen und in Form eines digitalen Makeathons wurden die ersten Ergebnisse in die Breite getragen, diskutiert, evaluiert und angepasst. Ergebnis des Projektes ist ein ‚Vielfalt-Check‘. Der Check soll als digitales Instrument zur Selbstüberprüfung, Sensibilisierung und Impulsgeber für mittelständische Unternehmen dienen. Sie können so eine erste Selbsteinschätzung vornehmen, aber auch Handlungsempfehlungen bekommen.
Der Check sowie alle weiteren Projektergebnisse von Aware sind nun online unter www.its-owl.de/aware und in einer Kurzpublikation (Download hier) erschienen. Dort gibt es einen Überblick über Handlungsempfehlungen und die Erfahrungen in den Pilotprojekten sowie Leitfäden, Workshopkonzepte und Schulungsmaterialien zum Download.
Wie geht es weiter
Mit dem rund 13 Millionen Euro geförderten BMBF-Kompetenzzentrum ‚KI in der Arbeitswelt des industriellen Mittelstandes in OstWestfalenLippe‘, kurz ‚Arbeitswelt.Plus‘, soll es bis 2025 weiter gehen. Im Kompetenzzentrum werden Erkenntnisse der Arbeitsforschung im Kontext von KI-Anwendungen zusammengeführt und passgenaue Lösungen für mittelständische Unternehmen entwickelt. KI-bezogene Forschungsergebnisse werden in Anwendungen bei größeren Mittelständlern (Leuchtturmprojekte) und KMU (Transferprojekte) erprobt. Dabei soll es z.B. um Kompetenzmanagement, KI-Anwendungsszenarien, Technologieakzeptanz und Mitarbeiterbeteiligung gehen. Ein Leistungsangebot an Informations- und Qualifizierungsmaßnahmen sichert den Transfer in die Region und darüber hinaus.














