Es gehe also um Flexibilität nicht nur bei der Arbeitszeit, sondern darum, den Mitarbeitenden größtmögliche Freiheiten bei der Ausgestaltung Ihrer Aufgaben einzuräumen. „Anstatt starren Vorgaben zu folgen, sollen sie sich anhand ihrer Rahmenbedingungen selbst organisieren. Das stärkt die Eigenständigkeit und Motivation und bringt nicht selten bessere Abläufe und Ergebnisse.“

So pflegt CSP das Prinzip, die Positionen im Betrieb wo immer möglich so zu gestalten, dass sie den Vorlieben und Stärken der jeweiligen Mitarbeiter entgegen kommen. „Z.B. hatten wir einen Projektmanager, der seinen Job richtig gut gemacht hat, aber trotzdem eine Veränderung wollte und zur Lohnfertigung tendierte. Also haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie eine Lösung aussehen könnte.“ Heute arbeitet der Kollege im technischen Kundenservice für die Lohnfertigung und betreut dort ständig mehrere Kundenprojekte. „Da kann er sein Knowhow als Projektmanager einsetzen, für die Lohnfertigung ist es ein Gewinn, und die neue Aufgabe macht ihm großen Spaß.“

Oder der Controller, der sich in seiner Freizeit mit IT beschäftigt und dieses Interesse gerne auch im Beruf ausleben wollte. „Wir haben ihm einige IT-Aufgaben im Unternehmen anvertraut, die er mit großem Ehrgeiz und Erfolg erledigt. Und nehmen seither unseren externen IT-Dienstleister weniger in Anspruch.“ Als weiteres Beispiel für maßgeschneiderte Positionen nennt Ramsl-Späth einen ihrer Konstrukteure, der mehr in die Produktion eingebunden sein wollte. „Unsere gemeinsamen Überlegungen haben ergeben, dass eine Zwitter-Lösung Sinn machen könnte. Also haben wir einige Prozesse umgestellt und eine neue Stelle geschaffen. Mit seinen Kompetenzen als Konstrukteur verbessert dieser Mitarbeiter jetzt die Organisation in der Produktion. Das finden seine dortigen Kollegen gut. Und er sowieso.“

Arbeitsplätze flexibel gestalten

Die Variabilität bei der Arbeitsplatzgestaltung komme bei der Belegschaft richtig gut an, so die Unternehmerin. „Es ist ja heute längst nicht mehr üblich, einen Beruf zu erlernen und den dann bis zur Rente auszuüben. Ich bin überzeugt, wenn Unternehmen diese Flexibilität auf die Definition ihrer Arbeitsplätze übertragen, können sie damit starke positive Effekte erzielen – in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität. Das ist für mich ein wesentlicher Aspekt von New Work.“ Im Übrigen trage ein solches Verständnis von Arbeit auch zur Harmonisierung von Privatleben und Arbeit bei. „Die beste Motivation ist bekanntlich die intrinsische, also die von innen kommt. Und New Work heißt aus unserer Sicht auch, der intrinsischen Motivation mehr Raum zu geben und sie systematisch zu nutzen. Wer etwa wie unser IT-affiner Controller private Interessen und berufliche Aufgaben miteinander verbinden kann, der wird sich wohl fühlen und gute Arbeit leisten. Und er hat einen starken Grund, seinem Arbeitgeber treu zu bleiben.“

Da seien dann Dinge wie ein kleiner Park mit Grillstelle auf dem Firmengelände, wie sie CSP für seine Belegschaft derzeit plant, eine willkommene Nebensache, mehr aber auch nicht.

Familiäre Elemente stärken

Ebenso wichtig wie individuelle Arbeitsplatzbeschreibungen ist aus Sicht von Katrin Ramsl-Späth das familiäre Element. „Wenn wir unsere Arbeitsanforderungen so weit wie möglich an den Bedürfnissen der Beschäftigten ausrichten, heißt das für uns auch, dass wir sie bei Problemen im privaten Umfeld nicht alleine lassen.“ Wenn etwa ein Familienmitglied krank ist, dann kann der oder die Betroffene für eine gewisse Zeit die Arbeitszeit unter der Woche verkürzen und dafür z.B. samstags arbeiten. Bei finanziellen Engpässen erlaube man den Betroffenen durchaus auch mal mehr Überstunden. Oder wenn die Urlaubstage nicht ausreichen, um ein privates Projekt durchzuziehen, genehmige man in Einzelfällen und nach Absprache, dass ein Teil des Urlaubs, für den erst im kommenden Jahr Anspruch bestünde, vorgezogen wird. „In solchen Fällen suchen wir gemeinsam nach Lösungen, die für beide Seiten passen. Das funktioniert in der Regel sehr gut – und gehört aus meiner Sicht auch zu New Work.“

Generell geht es nach den Erfahrungen von Katrin Ramsl-Späth vor allem darum, respektvoll und auf Augenhöhe miteinander umzugehen und transparent zu kommunizieren. „Die Menschen wollen ernst genommen und gehört werden. Nur dann werden sie sich mit ihrem Unternehmen identifizieren, und nur dann fühlen sie sich verantwortlich für das, was sie während ihrer Arbeitszeit tun.“

Mitarbeitende einbeziehen

Das zeige sich aktuell ganz besonders bei Neuerungen im Zuge der Digitalisierung. „Wir informieren in Workshops alle betroffenen Mitarbeiter über den Sinn der Neuerungen, die wir einführen wollen, und erarbeiten gemeinsam neue Wege und Lösungen – von den ersten Plänen über die Umstellung bis zur Inbetriebnahme. Das ist relativ viel Aufwand, aber es lohnt sich.“

Seiten: 1 2 3