
Das Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (Mirmi) der Technischen Universität München (TUM) und das Unternehmen Neura Robotics planen ein Forschungs- und Trainingszentrum für Robotik im wissenschaftlichen Bereich. Wie die Beteiligten mitteilen, handelt es sich dabei um eine der weltweit größten Einrichtungen ihrer Art. Unter der Leitung der TUM Mirmi-Professoren Lorenzo Masia und Achim Lilienthal sollen dort künftig hunderte Robotersysteme für ihren Einsatz im Alltag weiterentwickelt und KI-unterstützt trainiert werden, darunter etliche Humanoide.
Die Partner investieren gemeinsam 17Mio.€ in das TUM RoboGym. Neura Robotics trägt mit 11Mio.€ den Hauptanteil bei. Dieses Geld dient primär der Beschaffung von Robotern sowie der Wartung der Hardware. „Im Gegenzug partizipiert Neura Robotics an unserer Forschung“, sagt Prof. Achim Lilienthal, Koordinator neuen Robotik-Hubs. Dazu haben TUM Mirmi und Neura Robotics eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Daten aus menschlichen Bewegungen gewinnen
Das Roboterzentrum entsteht im TUM Convergence Center am Münchner Flughafen. Dort forschen die Kooperationspartner auf einer Fläche von 2.300m² gemeinsam an humanoider Robotik. Geplant ist u.a. ein KI-unterstütztes Training robotischer Systeme. In der industriellen Bildverarbeitung stellen PC-basierte Systeme oft eine technische Hürde dar. Die Trennung von Bildaufnahme und Datenverarbeitung führt häufig zu Latenzen, erhöhtem Platzbedarf und einem komplexen Wartungsaufwand. Besonders in schnellen Produktionslinien erschwert die Synchronisation zwischen Sensor und externem Rechner eine stabile Prozesskontrolle. ‣ weiterlesen
Präzise 2D-Inspektion mit nativer Edge-Intelligenz
In der physischen KI ist es, anders als bei Sprachmodellen wie ChatGPT, nicht möglich, auf fast beliebig viele Daten aus dem Internet zurückzugreifen und mit ihrer Hilfe zu lernen. Es gibt es kaum Web-Videos, in denen etwa Roboterarme eingesetzt werden, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. Zudem ist noch unklar, wie gut sich Bewegungen aus Videos herauslesen lassen. Auch Simulationen sind meist viel zu unpräzise und können etwa Reibungskräfte, die in der realen Welt vorhanden sind, nicht zuverlässig reproduzieren. „Das sind die Gründe, weshalb es ein Trainingszentrum braucht, in dem Menschen den Robotern einzelne Fähigkeiten beibringen“, sagt Lilienthal. Es gehe etwa darum, eine Schachtel zu falten oder Bauteile zusammenzustecken. Die Roboter sollen also allgemeine Fertigkeiten erlernen, die sie dann selbstständig auf spezielle Aufgaben übertragen können.
Humanoide Roboter als Teil des Alltags
„Schon in naher Zukunft werden humanoide Roboter fester Bestandteil unseres Alltags sein“, prognostiziert TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann. „Zusammen mit Neura Robotics arbeiten wir an der TUM daran, diese Entwicklung zu beschleunigen.“ Neben der Funktionalität gehe es dabei vor allem darum, auch die Sicherheit des Zusammenlebens von Mensch und Roboter zu gewährleisten.
David Reger, Gründer und CEO von Neura Robotics, betont, dass der entscheidende Wettbewerbsfaktor in der intelligenten Robotik in den Daten liegt. „Wer über hochwertige, realitätsnahe Trainingsdaten verfügt, definiert das Tempo“, sagt er und verweist auf die Datenplattform seines Unternehmens, über die die Trainingsdaten vernetzt werden.
Der Direktor des RoboGym und TUM Mirmi Executive Direktor Prof. Lorenzo Masia sieht in der Kooperation eine Chance, künftige Entwicklungen in der Robotik weltweit mitzubestimmen: „Europäische Souveränität ist in Zeiten des geopolitischen Wettbewerbs zwischen Ost und West enorm wichtig.“ Mit dem Forschungs- und Trainingszentrum, schaffe man für Forschende und Studierende eine einzigartige Infrastruktur in Europa.














