
Laut Europäischer Kommission ist Litauen eines der führenden Länder bei der Umsetzung von Industrie 4.0-Standards in seinem wirtschaftlichen Ökosystem. Beim Deutsch-Litauischen Wirtschaftsforum wurde darüber diskutiert, wie Deutschland und Litauen auf diesem Gebiet zum gegenseitigen Nutzen enger zusammenarbeiten können. Rund 275 Teilnehmer aus Deutschland und Litauen nahmen an dem Austausch mit rund 30 Politikern, Unternehmen und Wissenschaftlern zu Industrie 4.0, Digitalisierung, Echtzeitökonomie, Gentherapie und Nachhaltigkeit teil.
In MINT-Ausbildung investieren
Litauens Bevölkerung von etwas mehr als 2,7Mio Einwohnern hat EU-weit führende Zahlen in der Hochschulbildung. Das Land verfügt über einen sehr vielfältigen Talentpool: 41.500 Ingenieure, über 31.500 IT-Spezialisten und mehr als 40.000 Studenten in diesen beiden Fachrichtungen insgesamt. Die Regierung des Landes hat sich dabei dem Ausbau der MINT-Ausbildung verschrieben, weshalb Litauen bei der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung den ersten Platz in Mittel- und Osteuropa einnimmt und von Bloomberg auf Platz 2 der globalen Rangliste für ’tertiäre Effizienz’ gesetzt wird. Für Deutschland gilt es daher, junge Menschen zu ermutigen, sich für die Zukunftsbranchen zu entscheiden, da diese Fachgebiete den Kern anderer Branchen bilden, in denen Deutschland führend ist, wie z.B. die Automobilindustrie.
Litauen konzentriert viele seiner Ressourcen auf die Forschung und Entwicklung von Zukunftstechnologien. Automatisierung, Robotik, Photonik, Cybersicherheit und KI sind nur einige der Technologien, die die litauische Regierung mit Hilfe von Bildungseinrichtungen, Risikokapitalgebern, Angel-Investoren und dem gesamten Ökosystem der Wirtschaft zu fördern versucht. Dies hat auch die internationale Position Litauens beeinflusst, da das Land zur Hauptregion für die Implementierung und das Ausprobieren neuer, innovativer Lösungen wurde, die in anderen europäischen Ländern oder sogar in Japan und den USA entwickelt wurden. Auch wenn Deutschland im Moment bei der Entwicklung von Innovationen führend ist, sollte mehr in die Forschung und Entwicklung derjenigen Bereiche investiert werden, die zukünftig gebraucht werden.
Bürokratie abbauen
Laut dem Doing-Business-Bericht der Weltbank belegt Litauen den 11. Platz in der Welt, wenn es um die Einfachheit der Gründung und des Wachstums eines Unternehmens geht. Im Vergleich dazu liegt Deutschland auf Platz 22. Die Registrierung eines Unternehmens in Litauen kann nur ein paar Tage dauern. Das Verfahren zur Abgabe von Steuererklärungen wurde kürzlich durch ein neues und stark verbessertes System geändert. All diese Dinge können aus der Ferne erledigt werden, da die Nutzung der elektronischen Unterschrift in Litauen bei über 75 Prozent liegt. Außerdem liegt Litauen auf Platz 4 bei der Registrierung von Eigentum und auf Platz 10 bei der Erteilung von Baugenehmigungen. Das Land hat allgemein eine sehr offene Datenpolitik. Gerade wurde beispielsweise ein Open-Data-Portal gestartet, um Unternehmen, Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit den Zugang und die Nutzung offener Daten zu ermöglichen, die vom öffentlichen Sektor verwaltet werden.
Schnell auf Standards umsteigen
Industrie 4.0 erleichtert es Unternehmen, zusammenzuarbeiten, Daten zu teilen sowie Produktivität und Arbeitsoutput zu verbessern. Litauen hat beim Deutsch-Litauischen Forum gezeigt, dass es für Deutschland ein verlässlicher Partner sein kann, um auf diesen neuen Standard schneller umzusteigen. Erste Formen der Zusammenarbeit wurden in die Wege geleitet.














