Per Datenstrategie zu mehr Klimaschutz

Smoking chimney of a factory at sunset
Bild: ©graja/stock.adobe.com

„Welche Schritte Unternehmen und Regierungen heute einleiten, entscheidet über den Erfolg, mit dem sie die gesetzten Net-Zero-Ziele in Zukunft erreichen können. Emissionsdaten sowie Analysen auf Basis der Daten ermöglichen es ihnen, Fortschritte zu erfassen, mit Blick auf neue Regularien und Gesetze voranzugehen oder Kundenerwartungen seriös entgegenzukommen“, sagt Felizitas Graeber, Managing Director von Capgemini Invent in Deutschland. „Ein datenbasierter Ansatz kann den entscheidenden Unterschied machen, um Klimaschutzziele zu erfüllen. Auch die Kooperation entlang der Wertschöpfungskette und globale Allianzen können zu effektivem Emissionsmanagement beitragen. In erster Linie aber müssen Unternehmen klare Emissionsziele definieren und in ihre Kompetenzen zur CO2-Bilanzierung investieren, damit sie von Ambitionen in erfolgreiches Handeln kommen.“ Im Rahmen der Studie wurden mehr als 900 Unternehmen befragt, die sich das Ziel von Netto-Null-Emissionen gesetzt haben. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Unternehmen, die Emissionsdaten in ihre Entscheidungsprozesse einbezogen haben, konnten nach eigenen Angaben bereits Nutzen daraus ziehen: Dazu zählt eine zusätzliche Emissionsreduktion um durchschnittlich 4,6 Prozent – über die Effekte bereits bestehender Nachhaltigkeitsmaßnahmen hinaus – sowie mehr Transparenz.

Scope-3-Emissionen überblicken

Besonders anspruchsvoll sei es für die meisten Unternehmen, Daten über die entlang der Wertschöpfungskette indirekt verursachen Scope-3-Emissionen zu erfassen und zu managen, so die Capgemini-Analysten. Schätzungen zufolge betragen diese Emissionen im Schnitt bis zu 95 Prozent des CO2-Fußabdrucks eines Unternehmens. Allerdings sehen sich nur 24 Prozent der befragten Unternehmen in der Lage, genau oder zumindest annähernd zu überblicken, welche Lieferanten für den Großteil dieser Emissionen verantwortlich sind. Darüber hinaus misst weniger als ein Drittel (30 Prozent) der Unternehmen die Emissionen aus bezogenen Waren und Services. Lediglich 27 Prozent ermitteln den CO2-Ausstoß bei der Nutzung der von ihnen verkauften Produkte. Die Gründe dafür liegen teils in mangelndem Vertrauen in die von den Unternehmen erhobenen Daten, denn diese beruhen häufig auf Branchenschätzungen oder wurden von Dritten erhoben. Ein weiterer Grund sei ein Mangel an Sachkenntnis auf dem Gebiet der CO2-Bilanzierung, so die Studienautoren. Viele Organisationen würden nicht über die Expertise und Erfahrung darin verfügen, wie man Emissionen messen und diese Daten zur Entscheidungsfindung nutzen kann.

Mit anderen zusammenarbeiten

Zusammenarbeit im erweiterten Ökosystem ermöglicht Organisationen den Zugang zu verlässlichen Emissionsdaten. Nach eigenen Angaben beteiligen sich derzeit weniger als ein Drittel (32 Prozent) der Unternehmen an Initiativen für ein Datenökosystem, um Emissionsdaten mit externen Akteuren wie Nichtregierungsorganisationen, Wettbewerbern, Lieferanten und Kunden zu teilen. Nach Einschätzung der Studienautoren können Unternehmen Net Zero allerdings nur erreichen, wenn sie eng mit ihren Zulieferern zusammenarbeiten, um Emissionen besser zu erfassen und zu managen.

Solides Datenmanagement

Die Studie zeigt zudem die Notwendigkeit eines soliden Datenmanagements für Fortschritte bei der Dekarbonisierung. Es müsse Unternehmen gestatten, Daten aus verschiedenen Quellen zu bündeln, zu konsolidieren und zu optimieren, so die Studienautoren. Dazu sei es erforderlich, Verantwortlichkeiten für die Dekarbonisierung im gesamten Unternehmen festzulegen, klare CO2-KPIs für die Business-Teams zu definieren und stärker in Fähigkeiten zur Bilanzierung der CO2-Emissionen zu investieren. Denn 67 Prozent der Unternehmen nannten den Mangel an Kenntnissen im Bereich der CO2-Bilanzierung als eine der größten Herausforderungen bei der Emissionserfassung und -berichterstattung. Bisher investieren nur sehr wenige Unternehmen (7 Prozent) in die Sensibilisierung und Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Dies zu ändern, könnte dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu beheben.

Seiten: 1 2