Sie haben den Cyber Resilience Act (CRA) angesprochen. Inwieweit beeinflusst dieser Ihre Arbeit?
Die Beweggründe hinter dem CRA sind gut, aber es gab zu Beginn ein grundlegendes Missverständnis in der Beziehung zwischen Open-Source-Projekten, der Open-Source-Community und der Software-Industrie. Open-Source-Entwicklern wurde viel auferlegt, denn viele Projekte sind rund 30 Jahre alt und auch deren Betreuer werden älter. Hinzu kommt, dass Entwickler, wenn sie etwas Interessantes bauen, zuerst ihr eigenes Problem lösen wollen. Jedoch haben auch andere Menschen das gleiche Problem – das Projekt wird Open Source. Als einzelner Entwickler hat man keine Kontrolle darüber. Die Regulierungsbehörden haben diese Dynamik nicht wirklich verstanden. Hier haben wir – gemeinsam mit anderen Organisationen – jedoch viel Aufklärungsarbeit geleistet und am Ende eine gute Position erreicht.
Die Eclipse Foundation ist vor einigen Jahren nach Europa umgezogen. Welche Unterschiede sehen Sie in Sachen Regulierung zwischen beiden Standorten?
Europa ist hier ein wenig voraus, aber ich denke, dass es auch in den USA mehr Regulierung geben wird. Es ist eine Frage des Timings, nicht des Ausmaßes. Die Herangehensweisen sind jedoch andere: In Europa ist es üblich, eine Verordnung auf europäischer Ebene zu erlassen, an die sich alle Nationalstaaten halten müssen, sodass es eine einheitliche Regelung für den gesamten gemeinsamen Markt gibt. In den USA ist es üblicherweise so, dass nicht ganze Branchen reguliert werden. Es werden Vorschriften erlassen und wenn ein Unternehmen ein Produkt an die US-Regierung verkaufen will, muss es sich daran halten. Die USA nutzen hier die enorme eigene Kaufkraft, um Einfluss zu nehmen. In der industriellen Bildverarbeitung stellen PC-basierte Systeme oft eine technische Hürde dar. Die Trennung von Bildaufnahme und Datenverarbeitung führt häufig zu Latenzen, erhöhtem Platzbedarf und einem komplexen Wartungsaufwand. Besonders in schnellen Produktionslinien erschwert die Synchronisation zwischen Sensor und externem Rechner eine stabile Prozesskontrolle. ‣ weiterlesen
Präzise 2D-Inspektion mit nativer Edge-Intelligenz
Woran aber alle interessiert sind, ist sicherzustellen, dass Vorschriften und Standards nicht völlig unterschiedlich sind. Denn wenn man sich auf dem amerikanischen Markt an andere Regeln halten muss als in Europa, hat niemand etwas davon. Das gilt auch für die Verbraucher, die wir hier letztlich zu schützen versuchen.
Wo sehen Sie aktuelle Herausforderungen für die Entwicklung und den Einsatz von Open Source Software?
Ein Problem ist, dass Betreuer in vielen Open-Source-Projekten an ihre Grenzen kommen. Oft werden diese von ein oder zwei Personen gepflegt – sogar als eine Art Hobby. Interessanterweise hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit dem ‚Sovereign Tech Fund‘ ein Programm zur Förderung und Absicherung von Open-Source-Basistechnologien aufgelegt. Im Grunde verschafft dieser den Entwicklern Zeit, um an ihren Projekten zu arbeiten. Eine weitere Herausforderung ist das ‚Streben nach Professionalisierung‘. Zwar sind wir als Eclipse Foundation sehr daran interessiert. Es gibt jedoch einen Punkt, an dem der Drang zur Perfektion beginnt, hinderlich zu werden. Wir müssen hier aufpassen, dass wir die einzelnen Entwickler nicht aus den Augen verlieren, denn diese treiben Innovationen voran. Auch könnten geopolitische Entwicklungen zu einer Herausforderung werden. Aktuell gibt es zwar keine Hindernisse für die freie Verbreitung von Open Source Software in der Welt und wir hoffen, dass das auch so bleibt. Es gibt jedoch eine Neigung zur Bildung von Barrieren zwischen verschiedenen geopolitischen Akteuren.














