Inspektion per Augmented Reality

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Bild: Nebumind GmbH

Als Tochterunternehmen des Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB SE entwickelt und produziert MT Aerospace Schlüsselkomponenten für die europäische Trägerrakete Ariane 6, u.a. Komponenten für die Tanks. Metallbleche werden dazu in einem aufwändigen, hochautomatisierten Umformprozess in die gewünschte Form gebracht.

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Bild: Nebumind GmbH

Aufwändige Inspektion

MT Aerospace stand vor der Herausforderung, die Inspektion ihrer bis zu zwei Metergroßen Komponenten effizienter zu gestalten. Traditionell war eine Detektion und Lokalisierung von Anomalien nur durch die manuelle Auswertung von auffälligen Prozessparametern und das bloße Suchen auf dem Bauteil möglich. Das Softwareunternehmen Nebumind unterstützte daher bereits in der Vergangenheit dabei, Anomalien automatisiert in ihrer Digital Twin Software zu detektieren und grafisch in 3D zu visualisieren, was eine erhebliche Zeitersparnis in der Parameteranalyse und Orientierung auf dem Bauteil darstellte. Dennoch erwies es sich immer noch als unpraktisch, Anomalien auf einem entfernten, kleinen Computerbildschirm zu betrachten und anschließend die betroffene Stelle am realen Bauteil zu inspizieren. Die Verwendung mobiler Anzeigegeräte wie Smartphones oder Tablets wurde als unzureichend ausgeschlossen, da deren Displays zu klein sind und die Mitarbeiter bei der physischen Inspektion der Anomaliestellen beide Hände benötigen. Eine realistischere, praktischere Methode musste her.

Augmented Reality integriert

Um diese Herausforderung zu bewältigen, hat Nebumind in einem Pilotprojekt Augmented Reality (AR) in ihre Digital-Twin-Software integriert. Dieser Ansatz beinhaltet das Überlagern von Anomaliedaten als virtuelle Heatmap direkt auf die physischen Komponenten. Dadurch können Produktionsteams von MT Aerospace Anomalien schnell auf den tatsächlichen Bauteilen lokalisieren und bewerten. Zeit- und Arbeitsaufwand für die Inspektion werden so reduziert.

Das AR-Overlay fungiert als visuelle Fehlermeldung, indem es problematische Bereiche direkt auf den physischen Komponenten farblich hervorhebt. Nutzer haben nun die Möglichkeit, Anomalien im tatsächlichen Kontext der Produktionsumgebung zu sehen. Dies verbessert sowohl die Geschwindigkeit als auch die Qualität ihres Entscheidungsprozesses. Die Erweiterung um AR verwandelt die eigentliche Software somit in ein ‚tragbares Werkzeug‘, das direkt im Fertigungsprozess eingesetzt werden kann. Bei vollständigem Rollout der AR-Software rechnet Nebumind mit einer Reduzierung des Arbeitsaufwandes für die Lokalisierung von Anomalien bei großen Komponenten von bis zu 60 Prozent.

Live-Sharing geplant

Zukünftig sollen Nutzer auch auf Nebuminds Anomalie-Dashboard in der AR-Umgebung zugreifen können. Zusätzlich plant das Unternehmen in einem nächsten Schritt Live-Sharing-Funktionen für die Mixed-Reality-Ansicht über Videoanrufe einzuführen. Diese Funktion wird die Zusammenarbeit zwischen vor Ort arbeitenden Mitarbeitern und externen Stakeholdern erleichtern. Alle Beteiligten erhalten in Echtzeit ein Bild des Produktionsstatus und der auftretenden Probleme. Augmented Reality in der Produktion wird somit Realität und erweist sich in diesem Beispiel als eine Technologie, die signifikante wirtschaftliche und operative Vorteile verspricht.

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