Weiterhin Engpässe bei MINT-Fachkräften

Group of young students  in technical vocational training with young female muslim teacher. Education and technology concept.
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Laut aktuellem MINT-Bericht bestehen weiterhin Fachkräfteengpässe in den MINT-Berufen. So können rechnerisch 133.900 MINT-Arbeitsplätze nicht besetzt werden. Der Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt und entsteht im Auftrag von Mitgliedern des Nationalen MINT Forums: der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall und der nationalen Initiative ‚MINT Zukunft schaffen!‘.

Laut Bericht bilden die MINT-Facharbeiterberufe (Berufsausbildung) mit rund 77.400 Personen im März 2026 die größte Engpassgruppe, gefolgt von rund 44.200 Personen in den sogenannten MINT-Expertenberufen (Akademiker) sowie rund 12.300 im Bereich der Spezialisten- beziehungsweise Meister- und Technikerberufe.

Die größten Engpässe nach Branchen bestehen dem Bericht zufolge in Energie-/Elektroberufen (rund 48.900), in den Berufen der Metallverarbeitung (26.500), in den Bauberufen (26.400) sowie in den Berufen der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (22.900).

„Auch in den aktuell wirtschaftlich schwierigen Phasen bleibt die Gesamtbeschäftigung in MINT-Berufen konstant“, sagt Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter des Themenclusters Bildung, Innovation und Migration am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Es sei umso bedrohlicher, dass im Basisszenario der Studie 2034 rund 138.600 MINT-Beschäftigte weniger am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Zwar betont Plünnecke, dass die MINT-Beschäftigung von 2014 bis 2024 um 12,4% gestiegen sei. Im darauffolgenden Jahrzehnt dürfte die Beschäftigung aufgrund des Fachkräftemangels um 1,8% abnehmen.

Für die kommenden Jahr sei es entscheidend, alle MINT-Potenziale zu heben, so die Studienverantwortlichen. Als Hebel nennen sie etwa, mehr Frauen für MINT zu gewinnen, Ältere länger im Arbeitsmarkt zu halten und die bereits bestehende Zuwanderung in MINT-Berufe weiter zu erhöhen. Dies könne im Optimalszenario die Beschäftigung in den MINT-Berufen bis 2034 um 263.000 steigen – ein Plus von 3,3%. „Auch dies würde die künftigen Wachstumsperspektiven der Volkswirtschaft zwar weiterhin stark hemmen, aber zumindest nicht vollständig ausbremsen“, so Plünnecke.

Maßnahmen für die mittlere Frist

Laut Report ist das zukünftige MINT-Fachkräfteangebot ausschlaggebend dafür, ob die MINT-Beschäftigung weiter zunehmen kann. Mittelfristig – in einem Zeitraum von zehn Jahren – sehen die Autorinnen und Autoren die im Optimalszenario gewonnenen Fachkräftepotenziale von Frauen, Älteren und Zuwandernden als entscheidend an.

Um die MINT-Potenziale der Frauen zu heben, sprechen sie die Studienverantwortlichen etwa dafür aus, die im gesamten Bildungssystem vorhandenen MINT-Kompetenzen junger Frauen besser zu würdigen und sichtbar zu machen. Zusätzlich seien Mentoringprogramme und eine Stärkung der klischeefreien Berufs- und Studienorientierung nötig. Für die Potenziale Älterer sind dem Report zufolge mehr bedarfsgerechte Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Anreize für einen späteren Renteneintritt erforderlich. Schnellere bürokratische Prozesse bei der Zuwanderung und eine nachhaltige Ausweitung der Maßnahmen zur Begleitung internationaler Studierender und Auszubildender können helfen, mehr qualifizierte Zuwanderinnen und Zuwanderer zu gewinnen.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Um dem MINT-Fachkräftemangel zu begegnen, fordern die Autorinnen und Autoren des Reports ein Bündel strategischer Maßnahmen entlang der gesamten Bildungskette:

MINT-Basis konsequent absichern: In der frühkindlichen Bildung und in der Schule, einschließlich dem Ganztag, müssen Basiskompetenzen, insbesondere Sprachkompetenz als Fundament gewährleistet und ausgebaut werden. Die Wirkung bildungspolitischer Maßnahmen könne nur auf der Basis verlässlicher Daten und verbindlicher Ziele gemessen werden. Ferner weist der Report darauf hin, dass bei der Mittelvergabe der Sozialindex berücksichtigt werden sollte, um Chancengerechtigkeit zu stärken.

Digitalisierung voranbringen: Die Digitalisierung an Schulen muss ausgebaut werden. Schulen benötigen eine praxisnahe und entlastende IT-Unterstützung, zeitgemäße Ausstattung und verlässliche Kooperationen mit außerschulischen MINT-Angeboten. Auch betont der Report, dass KI als maßgebliche Zukunftskompetenz fächerübergreifend in den Unterricht integriert werden muss.

Fokus MINT-Unterricht stärken: Die Autorinnen und Autoren fordern darüber hinaus, dass die mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Schwerpunkte an den Schulen besonders gefördert werden müssen. Unterrichtskonzepte sollten weiterentwickelt werden, um das Interesse und die Motivation an MINT-Inhalten zu stärken. Digitalisierung und KI-Unterstützung können hier einen wertvollen Beitrag leisten.

Lehrkräftemangel bekämpfen: Um eine zeitgemäße und praxisnahe MINT-Bildung zu ermöglichen, fordert der Report, mehr Lehrkräfte zu gewinnen und zu halten. Zudem müssten Aus- und Fortbildung von Lehrkräften den Anwendungsbezug in den Mittelpunkt gerückt und Digitalisierung sowie KI als verpflichtende Bestandteile zeitgemäßer Bildung berücksichtig werden. Zusätzlich sollten multiprofessionelle Teams ausgebaut werden, um Lehrkräfte – etwa bei der Umsetzung digitaler Konzepte – gezielt zu unterstützen.