Arbeitszeit im Homeoffice steigt langfristig an

Bild: ZEW

An der ZEW-Befragung beteiligten sich mehr als 1.000 Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und der Informationswirtschaft. Die Unternehmen wurden gefragt, wie häufig sie vor der Pandemie hybride Arbeitsmodelle genutzt haben und welcher Einsatz für die Zeit nach der Pandemie geplant ist. Dabei reichten die abgefragten Arbeitsmodelle von wöchentlich einem Tag Homeoffice bis zu fünf Tagen Homeoffice. Für jedes der Homeoffice-Modelle gaben die Unternehmen den Anteil der Beschäftigten an, die diese Modelle voraussichtlich in Anspruch nehmen werden. Auf Basis dieser Angaben konnte der Anteil der in einem Unternehmen anfallenden Gesamtarbeitszeit abgeschätzt werden, der voraussichtlich im Homeoffice erbracht wird.

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Anteil steigt

Vor der Corona-Pandemie lag der durchschnittliche Anteil der Arbeitszeit, der aus dem Homeoffice erbracht wurde, bei 9 Prozent in Unternehmen der Informationswirtschaft und 3 Prozent in Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Für die Zeit nach der Pandemie erwarten die Unternehmen, dass 24 Prozent der Arbeitszeit in der Informationswirtschaft und 6 Prozent der Arbeitszeit im Verarbeitenden Gewerbe aus dem Homeoffice erfolgt. Der zeitliche Vergleich der Durchschnittswerte zeigt demnach, dass sich der Homeoffice-Anteil der Arbeitszeit nach Einschätzung der Unternehmen beider Sektoren langfristig vervielfacht. Dies gilt insbesondere für größere Unternehmen, in denen die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice noch stärker ausgeprägt ist als in kleineren Unternehmen. So erwarten laut Studie große Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten in der Informationswirtschaft, dass nach der Pandemie im Durchschnitt 38 Prozent der Arbeitszeit ihrer Beschäftigten im Homeoffice erbracht werden. Zum Vergleich: Vor der Pandemie betrug dieser Anteil noch 10 Prozent. Auch im Verarbeitenden Gewerbe sehen große Unternehmen den deutlichsten Homeoffice-Schub und rechnen mit einem Anteil von 14 Prozent der Arbeitszeit im Homeoffice nach Corona (im Vergleich zu 3 Prozent vor der Pandemie).

Intensive Verlagerung

„In nur jedem zehnten Unternehmen der Informationswirtschaft wurde bereits vor der Pandemie ein Anteil von mehr als 30 Prozent der Arbeitszeit im Homeoffice erbracht. Für die Zeit nach der Pandemie rechnet nun aber ein Drittel der Unternehmen mit einer solch intensiven Homeoffice-Nutzung. Der entsprechende Unternehmensanteil hat sich im Verlauf der Pandemie also verdreifacht“, sagt Daniel Erdsiek, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich ‚Digitale Ökonomie‘. Insgesamt gehen 15 Prozent der Unternehmen sogar davon aus, dass langfristig mehr als die Hälfte der Gesamtarbeitszeit im Homeoffice erbracht wird. Die Erwartungen entsprechen auch hier dem Dreifachen des Vorkrisenniveaus. Im Verarbeitenden Gewerbe gehen hingegen nur wenige Unternehmen davon aus, dass nach der Pandemie mehr als 30 Prozent oder sogar 50 Prozent der Arbeitszeit von zu Hause aus erbracht werden. Allerdings erwartet fast jedes fünfte Unternehmen aus diesem Bereich, dass nach der Pandemie mehr als 10 Prozent der Arbeitszeit aus dem Homeoffice geleistet werden (im Vergleich zu nur 4 Prozent der Unternehmen vor Corona). Wie häufig Unternehmen eine intensive Homeoffice-Nutzung erwarten, hänge stark mit deren Größe zusammen, so Erdsiek. So gehen in der Informationswirtschaft etwa 58 Prozent der großen Unternehmen davon aus, dass nach der Pandemie mehr als 30 Prozent ihrer Arbeitszeit ins Homeoffice verlagert sein werden. Im Verarbeitenden Gewerbe konzentriert sich die Verlagerung zum Homeoffice vor allem auf geringere Anteile der Gesamtarbeitszeit. Während hier fast die Hälfte der großen Unternehmen davon ausgeht, dass nach der Pandemie mehr als 10 Prozent der Arbeitszeit von zu Hause aus geleistet werden, gilt dies nur für etwa jedes zehnte der kleinen Unternehmen. Einen Anteil von mehr als 30 Prozent Heimarbeitszeit erwarten derweil 12 Prozent der großen und 6 Prozent der kleinen Unternehmen (vor Corona waren es jeweils ca. 3 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, die erwarten, dass mehr als die Hälfte der Arbeitszeit von zu Hause aus erbracht wird, bleibt im Verarbeitenden Gewerbe allerdings für alle Unternehmensgrößen relativ unverändert und liegt bei etwa 3 Prozent.

mst/ZEW Mannheim