Deutsche Startups trotzen der Krise

Silhouette of startup business team. Meeting on the couch. Big open space office. Five people. Intentional sun glare and lens flares. Wide screen panoramic
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Die Corona-Krise trifft auch die deutsche Startup-Landschaft: 75 Prozent der Startups sehen sich in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Nichtsdestotrotz zeigen sich die Gründer optimistischer als die etablierte Wirtschaft. Sie planen, in den kommenden zwölf Monaten im Schnitt sechs neue Mitarbeitende einzustellen. Zu diesen Ergebnissen kommt der 8. Deutsche Startup-Monitor (DSM), den der Bundesverband Deutsche Startups und die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Umfrage zur Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt. „Startups sind, wie die gesamte Wirtschaft, von der Corona-Pandemie betroffen. Doch Gründerinnen und Gründer sehen in der Krise meist auch eine Chance und sind es gewohnt schnell auf neue Situationen zu reagieren. Daher schauen sie optimistischer in die Zukunft als die deutsche Wirtschaft insgesamt“, kommentiert Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutsche Startups. So reagieren 90 Prozent der Befragten mit spezifischen Gegenmaßnahmen auf die Krise. Dabei wollen bisher nur wenige Personal abbauen, um Kosten zu sparen, so die Studienautoren. Florian Nöll, Leiter der Startup-Initiative NextLevel bei PwC Deutschland, sieht in dieser Herangehensweise Parallelen zu Familienunternehmen: „Die Startup-Entscheider zeigen in der Krise eine Haltung, die der von Familienunternehmern sehr ähnlich ist: Sie konzentrieren sich auf ihre Stärken und setzen auf nachhaltiges Handeln statt Personalabbau. Damit schaffen sie nicht nur Arbeitsplätze, sondern avancieren zum Wachstumsmotor, um die Wirtschaft aus der Krise zu führen.“

Innovation und Nachhaltigkeit

Dabei setzen viele Gründer auf Innovation und Nachhaltigkeit. So ist der Einsatz künstlicher Intelligenz im Startup-Ökosystem laut Studie weiter auf dem Vormarsch. 43 Prozent der befragten Unternehmen bescheinigen der Technologie einen klaren Einfluss auf ihr Geschäftsmodell. Gleichzeitig spielen umweltspezifische und soziale Motive bei Startup-Gründungen eine immer wichtigere Rolle: Mittlerweile ordnen 43 Prozent der Startups ihre Produkte und Angebote der Green Economy zu. Das sind rund 7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Diversität, Internationalität und Zuwanderung

Erstmals werden im Startup Monitor auch die Aspekte Diversität, Internationalität und Zuwanderung beleuchtet: Zwei von zehn Gründern haben einen Migrationshintergrund, wobei der Anteil in Rhein-Ruhr und Berlin mit rund 30 bzw. 25 Prozent besonders hoch ist. Auch bei den Mitarbeitern wird Vielfalt großgeschrieben: 27 Prozent haben ihre Wurzeln außerhalb Deutschlands. In Berliner Startups kommen sogar 43 Prozent der Belegschaft aus dem Ausland.

Probleme, Kunden zu gewinnen

An einer Reihe von Aufgaben haben die Startups jedoch zu knabbern, so die Studie: Als größte Herausforderung bezeichnen 68 Prozent der Befragten den Vertrieb und die Kundengewinnung. Das sind 13 Prozentpunkte mehr als 2019, was auf das zurückhaltende Konsum- und Investitionsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern und Unternehmen während der Krise hinweist. Zudem zeigen die Befragungsergebnisse schwierige finanzielle Rahmenbedingungen: 43 Prozent halten die Kapitalbeschaffung für herausfordernd, was auf die angespannte Lage auf dem Kapitalmarkt hindeutet (2019: 38 Prozent). Mit 32 Prozent bewerten zudem deutlich mehr Gründerinnen und Gründer die Liquidität als aktuelle Schwierigkeit (2019: 18 Prozent).

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